Mein Weg zum CE Zeichen

Mein Weg zum CE Zeichen

 

Ein Einblick in meine Arbeit *rund um das CE Zeichen * für meine Puppen

Zum ersten mal wurde ich mit diesem Thema konfrontiert  in meinem Puppenforum. Stefanie brachte das Thema auf und wir Puppenmacherinnen begannen uns mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

 

Parallel dazu wurde hier vor Ort ein Seminar für Spielzeughersteller angeboten, das die neuen Richtlinien, die damals in Kraft traten erläutern sollte und das Procedere zum CE Zeichen nach diesen von der EU neu überarbeiteten Richtlinien klar machen sollte. Ich habe an diesem Seminar teilgenommen und mein Kopf begann zu rauchen, das kann ich euch sagen.

Online wurde dann der erste Verein zum Thema Spielzeugsicherheit und CE Kennzeichnungspflicht gegründet. Zunächst habe ich lange gezögert und überlegt und versucht, alleine mit der Materie klar zu kommen und zwar anhand der öffentlich zugänglichen Dokumente und der Unterlagen die ich mir in dem Seminar erarbeitet hatte. Was fehlte war der Zugang zu den Normen.

Ich trat dann in den Verein * Wir machen Spielzeug * ein und hatte endlich Einsicht in die Normen. Danach habe ich dann meine erste CE Prüfung für meine großen Puppen durchgeführt.

In dieser Zeit habe ich fast 9 Monate lang meine Puppenmacherei mehr oder weniger ruhen lassen und habe mich ganz auf die CE Arbeit konzentriert.

Das hieß: ich habe mir sozusagen einen Schlachtplan entworfen, was ich alles prüfen muss, wie ich das machen muss und kann, und wie ich am besten dokumentiere.

Das war die eine Front… die zweite Front stellte mich anfangs vor sehr sehr große Probleme: woher konnte ich geprüftes Material bekommen. Es gab damals noch fast gar keine Stoffe, die nach EN 71-3 geprüft waren, Füllmaterial, Wolle und Garne oder sonstigen Nähzutaten sowieso nicht. Und bei Anfragen bei großen Unternehmen wie Westfalen zeigte sich, dass die nicht die kleinste Ahnung von dieser Materie hatten.

Das war der Punkt an dem ich zum ersten Mal dachte: das ist nicht zu schaffen, ich muss die Puppenmacherei aufgeben.

Hier konnte mir aber dann zum Glück der Verein WmS weiterhelfen. Dort fand ich die ersten Tipps zu Quellen die geprüftes Material hatten und ich konnte über Sammelbestellungen mitbestellen.

So gut es ging und soweit es meine Zeit zugelassen hat, habe ich dann mein Prüfkonzept umgesetzt. Als ich alle Zutaten aus den zugelassenen Materialien zusammen hatte,  habe ich eine erste Testpuppe genäht.

BTW: an meiner Arbeitsmethode und meinen Schnitten habe ich nichts verändert. Ich weiß, dass meine Puppen äußerst gut und stabil gearbeitet sind und das niemals eine Naht reißen oder ein Kopf wackeln wird. Im Grunde bin ich felsenfest davon überzeugt, dass niemals eine Gefährdung von meinen Puppen für die Kinder ausgegangen ist… auch nicht in den Zeiten vor CE, denn ich habe auch schon vorher niemals billige Stoffe verwendet. Es ging nur darum, das Ganze zu verifizieren und nach den Standards zu prüfen und zu dokumentieren. Diese innere Gewissheit hat mir oft geholfen, wenn es immer wieder neue Stolperstein zu geben schien.

Z.B. wie man den Zug-Test machen kann und ob es überhaupt erlaubt ist, das zuhause zu machen, mit einer Federwaage, die nicht amtlich geeicht ist… usw usw usw , oder wie der Brenntest gemacht werden kann wenn man keine klimatisierte Prüfkammer hat, die 100 % die vorschriftsmäßige Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit hat, die nun mal in den Normen vorgeben sind.

Aber aufgeben kam nicht in Frage 😉

Dann war ich endlich soweit: ich führte den ersten Zugtest in der Werkstatt meines Mannes durch. Die arme Prüfpuppe wurde in die Folterbank (Werkbank ) eingespannt -mit dem Kopf  -die Beine wurden in die Prüfzange eingeklemmt und wir zogen mit der Federwaage lange und ausgiebig  in alle Richtungen und Positionen an der Puppe…. Diese wurde lang und länger… es war ein trauriger Anblick… aber, erwartungsgemäß, hielt alles.  Wir zogen danach auch an den Armen und Beinen, an den Haaren und am eingenähten CE Etikett… schaut euch die Bilder an

 

Resultat: der Zugtest war bestanden.

Es dauerte nun wieder längere Zeit, bis ich mich an den Brenntest traute. Es ist ja klar… ziehen kann man an einer Puppe. einmal oder auch 20-mal—verbrennen kann man sie nur einmal. Es galt deshalb sehr gut vorher zu überlegen, denn man kann nicht mehrere Puppen nähen um sie zu verbrennen.

An einem schönen lauwarmen Frühsommertag war es dann soweit: die Puppe musste auf den Grill

Es hat mir echt weh getan die Kleine anzubrennen. Aber es musste sein und zu meiner großen Überraschung wollte sie absolut gar nicht in Flammen aufgehen. Ich prüfte zunächst die nackte Puppe. Sie brannte während der vorgeschriebenen Zeit, in der die Flamme im vorgeschriebenen Abstand und in der vorgeschriebenen Flammenhöhe Kontakt mit der Puppe hatte nicht das kleinste bisschen, der Trikotstoff schmorte nur ganz leicht an und begann sich braun zu verfärben.

 

Ich wollte die Puppe jetzt aber brennen sehen und hielt die Flamme länger und direkt an den Trikot-Körper. Nach einer Zeit zeigten sich endlich leichte Flammen. aber diese gingen dann von selber wieder aus. Toll ich war sehr froh, weil ich doch einige Bedenken wegen der Brennbarkeit des Baumwolle Trikots hatte.

Den zweiten Brennversuch machte ich an der bekleideten Puppe. Hier war das Brennverhalten schon etwas anders, der Kleiderstoff des Puppenkleidchens fing recht zügig an zu brennen und die Flammen erreichten den Kopf der Puppe. Nach der Zeitmessung der * Flammenausbreitungsgeschwindigkeit* war aber klar, dass diese im erlaubten Zeitrahmen lag. Nach dem Erreichen des Kopfes verloschen die Flammen von selber, die Haare aus der Mohairpuppenhaarwolle schmorten nur und es gab an den Haaren gar keine Flammenbildung.

Zur Sicherheit habe ich die Haare auch noch einmal extra mit der Prüfflamme in Kontakt gebracht. Aber Wolle ist ja bekanntlich schwer entflammbar, es gab nur ein dahinschmoren und -kokeln aber keine Flammenbildung.

Das ist der traurige Anblick einer gebrennprüften Puppe

 

Soweit so gut, die weiteren Testungen ergaben ebenfalls keine Probleme und ich war in meiner Vermutung bestätigt, dass meine Puppen sicher (waren) und sind !!!

Es musste nun noch alles dokumentiert werden, es gab Listen zusammenzustellen (Materiallisten ect), Formulare musste erstellt werden (die Konformitätserklärung) und die Tests mussten in der technischen Dokumentation zusammengestellt werden. Die auch erforderliche Herstellungsbeschreibung stellte kein Problem dar, weil ich schon einen Puppenkurs formuliert hatte, in dem alle Schritte genau gezeigt waren. Diesen Puppenkurs konnte ich ein wenig umformulieren und anpassen und hatte mit der Herstellungsbeschreibung zum Glück wenig Arbeit. Was nun noch fehlte war die sogenannte Risikobewertung.

Es gab inzwischen einen zweiten Verein zu dem Thema Spielzeugsicherheit, den Verein * Spiel sicher e.V*

Hier gab es sehr viel Hilfe und viele viele wirklich produktive Informationen die mir sehr weitergeholfen haben. Unter anderem bekam ich endlich die Vorstellung davon, wie wichtig die Risikobewertung ist und was da alles hineingehört.

Inzwischen hatte ich weitere Prüfreihen begonnen: zu den kleinen Nickipüppchen , den Fingerpüppchen und zu meinen kleinen Puppen. Da ich schon ein Grund Konzept hatte ging es alles sehr viel besser, ich hatte ja auch inzwischen einiges hinzugelernt.

Fazit: Alle meine Puppen haben die Testungen bestanden und ich konnte mit gutem Gewissen das CE Etikett einnähen.

Was aber immer blieb war eine kleinere Restunsicherheit. waren meine Testungen und meine Dokumentationen wirklich richtig und ausreichend? Hatte ich an alles gedacht in meinen Dokumentationen?

Ich war deshalb froh, als es im Verein Spiel Sicher die Möglichkeit gab, mein Spielzeug und meine Dokumentationsarbeit fachmännisch überprüfen zu lassen. Das habe ich endlich im Januar dieses Jahres umgesetzt. Ich habe eine Puppe ausgesucht und an den Verein geschickt. Meinen ganzen Papierkram konnte ich per Mail einschicken… und dann hatte ich eine Zeitlang Lampenfieber J

Und es kam die Antwort von Martin (das ist einer der Vorstandsmitglieder bei Spielsicher e.V, der immer und immer wieder mit viel Geduld und großer Kompetenz allen Fragenden zur Seite steht)

Die Antwort ließ mich dann eine Weile vor Freude im Kreise hüpfen J

Bis auf einige Verbesserungsvorschläge bei den Dokumentationen fand er meine Arbeit in Ordnung  ***Jubel ***

Zitat aus der Mail vom Verein Spielsicher e.V: Als erstes Mitglied hat die Puppenmacherin Christel Dubberke uns mit der Prüfung ihrer technischen Dokumentationen beauftragt und uns ihre Dokumentation zu einem ihrer Puppen zum Prüfen geschickt. Wir haben Puppe und Dokumente geprüft und konnten der Herstellerin sowohl in der Doku als auch im Handwerklichen eine hervorragende Arbeit bescheinigen.
Deshalb ist sie auch unser zweites Mitglied, das von uns den Aufkleber „Dieser Betrieb wird empfohlen vom Spiel Sicher e.V.“ verliehen bekommt.

 

Ihr könnt Euch denke, wie froh und erleichtert ich jetzt bin… ich kann mit gutem Gewissen meine Püppchen mit dem CE Zeichen ausstatten und fühle mich ein bisschen darin bestätigt, dass meine Puppen eine sehr gute Qualität haben, das war und ist so und wird auch immer so bleiben.

Und ich werde mich jetzt ganz sicher nicht auf den sog, Lorbeeren ausruhen. im Gegenteil! Ich betrachte es als einen Ansporn immer weiter dazu zu lernen und meine Arbeit immer weiter zu verbessern.

Für alle die noch am Anfang stehen in Sachen Konformitätsbewertungsverfahren soll dieser Artikel eine Aufmunterung sein: auch wenn es manchmal schwer ist und das Ganze wie ein riesiger Berg erscheint, und man das Gefühl hat, dass man den niemals ersteigen wird: nicht aufgeben, es ist möglich es zu schaffen und die Mühe lohnt sich!

Im Grunde rate ich Euch folgende Vorgehensweise:

  1. Planung was möchtest Du herstellen
  2. Material zusammenstellen
  3. Risikobewertung
  4. Herstellungsbeschreibung
  5. Testobjekt herstellen und die Prüfungen durchführen, sowie die Prüfungen dokumentieren
  6. Konformitätserklärung

Vielleicht mag die eine oder andere Puppenmacherin noch etwas ergänzen, vielleicht hab ich was vergessen? Kommentiert hier gerne, ich ergänze dann.

In diesem Sinne: Traut Euch !!!! 🙂

2 Comments

  • Johanna
    März 11, 2017 8:41 am

    Eine riesengroße Hilfe und ein wunderbarer Begleiter auf dem Weg zum CE-Zeichen für Puppen und Stofftiere ist das CE-Handbuch der Puppenmacherin Maike Cölle!
    Es ist als E-Book direkt bei ihr erhältlich: http://feinslieb.net/de/ce/ !
    Alles ist Schritt für Schritt einfach und verständlich erklärt: wie man die Tests durchführt und die Ergebnisse dokumentiert, wo man die Werkzeuge für die Tests bekommt… .
    Auch eine Zertifikatsammlung ist beigefügt, die immer wieder aktualisiert wird. Hier freut sich die Autorin auch sehr über Zertifikat-Beiträge der Käufer(innen): durch das gegenseitige Geben und Nehmen entsteht eine immer umfangreichere Sammlung, von der alle profitieren!
    Wert und Nutzen dieses hervorragenden Buches übersteigen den Preis bei weitem: ich kann es nur wärmstens empfehlen!

    • Chris
      März 11, 2017 10:16 am

      Hallo, liebe Johanna…stimmt, gut dass du das noch ergänzt hast. Ich hatte das Buch noch nicht, als ich die Konformitätsprüfungen gemacht habe. Inzwischen habe ich es mir auch gekauft und finde es auch hilfreich. Danke dir 🙂

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